GLX Audio Co Ltd - Balsam
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GLX Audio Balsam — Ein ganz besonderer Polysynth für Portamento-Träume und andächtige Drones
Balsam ist ein achtstimmiger Hybrid-Polysynth von GLX Audio. Das Erste, was dir auffällt: Es gibt keine Tastatur. Stattdessen sitzt dort eine Reihe aus acht Fadern, fast wie bei einem kleinen Mixer. Jeder Fader ist ein eigener Pitch-Bender für eine einzelne Stimme. GLX nennt Balsam einen Modal Synthesizer, und die Idee dahinter kommt aus zwei sehr unterschiedlichen Ecken: von der Pedal-Steel-Gitarre, deren Pedale und Hebel die Töne ins Ziel gleiten lassen, und vom langen polyphonen Portamento von Instrumenten wie dem Oberheim OB-8 oder Yamaha CS-80 — diesen weit ausschwingenden Akkordwechseln, die mehrere Sekunden brauchen, bis sie ankommen und ineinanderfließen.
Balsam ist ein Instrument für allmähliche Bewegung. Als grobe Richtung kannst du mal Alice Coltranes Turiya Sings auflegen, oder die Ashram-Tapes, die danach entstanden sind. Ein Großteil dieses späteren Materials ist vom OB-8 durchzogen — einem Synth, den ihr ihre Tochter Michelle ans Herz gelegt hatte. Nebenbei: ja, ein umwerfendes Album..!
Weil es keine Klaviatur im klassischen Sinn gibt, funktioniert auch das Stimmen etwas anders. Ein Tuning besteht hier aus acht Noten, die auf acht Tasten gespielt werden, plus acht Pitch-Bends, die über die Fader verteilt sind. Mit einem Encoder wechselst du zwischen Tuning-Bänken, während sich das ganze Set live transponieren oder oktavieren lässt. Dazu kommen Pitch Wheel und Key Latch. Das Layout ist ungewöhnlich, aber sehr schlüssig: Es bringt dich eher zu Gesten als zu gespielten Linien. Du schiebst, hältst, ziehst Stimmen auseinander und rückst sie wieder zusammen, statt einfach Noten in die Tasten zu hämmern.
Glide ist ganz klar ein zentraler Teil von Balsams Charakter. Drei polyphone Modi stehen zur Verfügung: Fixed Rate, also das klassische OB-8-artige Portamento; Fixed Time, bei dem alle Noten eines Akkords gemeinsam am Ziel ankommen; und Fixed Interval, bei dem jede Stimme von einem musikalischen Intervall aus startet und nach Hause gleitet. Dazu kommt Viscosity, eine Balsam-eigene Funktion, die deinen Faderbewegungen eine Art Trägheit gibt. Die Oszillatoren hängen also leicht hinter deiner Hand her und nähern sich dem Ziel mit Verzögerung an. Da Oscillator 1 und Oscillator 2 jeweils mit eigener Glide- und Viscosity-Geschwindigkeit laufen können, kann schon eine einzelne Stimme dichter, schwebender und lebendiger werden — von sanftem Chorus-Schimmer bis zu deutlich verstimmten, schön schiefen Bewegungen. Legst du den Pitch-Invert-Schalter um, biegt sich der ganze Akkord auf einmal. Herrlich weites, gleitendes Zeug…!
Darunter steckt eine solide Synth-Engine. Jede Stimme hat zwei Oszillatoren mit Waveform-, Tune- und Glide-Controls, dazu Sync, Sub-Oszillator und Noise. Danach geht es in ein analoges State-Variable Filter und einen analogen VCA in Stereo. Drei Envelopes, ein LFO und eine versteckte Mod Matrix übernehmen die Modulation, vieles davon mit Slider Tracking und Key Tracking. Statt eines üblichen Arpeggiators oder Step Sequencers hat Balsam einen achtkanaligen Polyrhythm Sequencer: Er schaltet die Stimmen in Clock-Unterteilungen an und aus, die du mit den Fadern festlegst und verformst. Quantisiert ist das sehr schön für Crossrhythms und Hemiolen; unquantisiert und stark verlangsamt wird es interessant für sich entwickelnde Drones und tanpura-artige Texturen. Im Grunde eine digitale Shruti Box. MPE Output, ein browserbasierter Editor sowie die üblichen MIDI-, Clock- und Pedal-Anschlüsse runden das Ganze ab.
Balsam ist eher ein Spezialist als ein Polysynth für alles — und genau das ist der Punkt. Er ist gemacht für langsame Harmonien, driftende Akkorde und Musik, die ihre Form verändert, während du sie hältst. Ein wunderschönes Ding zum Anschauen und Spielen… belassen wir es dabei :)
Features:
- Achtstimmige hybride modale Polyphonie mit digitalen Virtual-Analog-Oszillatoren, analogem Filter und analogem VCA
- Zwei Oszillatoren pro Stimme mit Waveform, Tune und unabhängiger Glide/Viscosity, plus Sync, Sub-Oszillator und Noise
- Acht Fader als unabhängige Pitch-Bender pro Stimme
- Acht Trigger-Tasten für einzelne Noten oder Akkorde
- Drei polyphone Glide-Modi: Fixed Rate (Portamento), Fixed Time und Fixed Interval
- Viscosity — Slew/Trägheit für Pitch-Bend-Bewegungen, mit eigener Geschwindigkeit pro Oszillator
- Pitch-Invert-Schalter zum gleichzeitigen Biegen ganzer Akkorde
- Achtkanaliger Polyrhythm Sequencer, quantisiert oder unquantisiert
- Analoges Stereo-State-Variable-Tone-Filter mit 4-Pol-/2-Pol-Modus
- Analoger Stereo-VCA
- Drei ADSR Envelopes für Amp, Filter und Modulation sowie ein LFO
- Mod Matrix mit Slider Tracking und Key Tracking
- Slider-getracktes Stereo-Panning
- Just- und Equal-Intonation-Modi mit mehreren Tuning-Bänken
- Octave Transpose, Pitch Wheel und Key Latch
- MPE Output (MIDI Polyphonic Expression)
- USB-C MIDI In/Out
- 5-Pol-MIDI In/Out
- 3,5 mm analog Clock Sync In/Out
- Expression-Pedal-Eingang
- External Audio Input
- L/R Line Outs plus Headphone Out
- Browserbasierter Editor für Tunings, Einstellungen und Firmware-Updates